Stiftungsbrief Februar 2024

  1. Jeder sechste Arzt ist 65 Jahre oder älter
  2. Große regionale Unterschiede bei Ärztedichte
  3. Weniger Niedergelassene in fast allen Bundesländern
  4. Fast 30 Prozent der Ärzte sind angestellt
  5. Kommentar von Christoph Dippe zu den Ergebnissen der Analyse

Jeder sechste niedergelassene Arzt ist 65 Jahre oder älter

Renten-Welle in der ambulanten Versorgung rollt an

Einen Nachfolger finden oder die Praxis schließen ‒ vor dieser Herausforderung stehen in naher Zukunft viele niedergelassene Ärzte in Deutschland: Wie unsere Analyse des Strukturverzeichnisses zeigt, ist jeder sechste von ihnen 65 Jahre oder älter. Besonders betroffen ist das Saarland: Dort gehört jeder fünfte Arzt zur Altesgruppe 65+.

Wo versorgen Ärzte die meisten Einwohner?

In Hamburg betreuen ambulante ärztliche Leistungserbringer im Schnitt 313 Einwohner. In Brandenburg dagegen müssen sie jeweils 526 Einwohner versorgen. Unsere Analyse der Ärztedichte zeigt deutliche regionale Unterschiede, vor allem zwischen den Stadtstaaten und Flächenbundesländern.

Zahl der Niedergelassenen in fast allen Bundesländern gesunken

Das klassische Bild des niedergelassenen Arztes mit eigener Praxis verliert weiter an Attraktivität: Wie bereits im Vorjahr gab es in 2023 in fast allen Bundesländern weniger Niedergelassene. Den stärksten Rückgang verzeichnet Hamburg mit einem Minus von 10,3 Prozent. Das einzige Bundesland mit einem leichten Anstieg (3,4 Prozent) ist Nordrhein-Westfalen.

Fast 30 Prozent der Ärzte sind angestellt

Mittlerweile arbeitet fast ein Drittel der ambulant tätigen Ärzte in einem Angestelltenverhältnis. Der Anteil stieg bis Ende 2023 von 27,4 auf 29,1 Prozent. Etwa die Hälfte von ihnen ist in Praxen beschäftigt, die andere Hälfte in MVZ.

Versorgungslandschaft im Blick

Kommentar von Christoph Dippe

Die ambulante Versorgungslandschaft in Deutschland ist in ständigem Wandel – und aktuell mehr denn je: Was früher als Gipfel einer ärztlichen Karriere angesehen wurde, nämlich die eigene Praxis, kommt zunehmend aus der Mode. Ärzte finden keine Nachfolger, vor allem im ländlichen Gebieten. Stattdessen wechseln immer mehr Ärzte in Medizinische Versorgungszentren.

Gleichzeitig steht ein demographischer Wandel an: Rund ein Sechstel der niedergelassenen Ärzte wird bald das Rentenalter erreichen – das wird die Versorgungslandschaft in den kommenden Jahren ordentlich durcheinanderwirbeln. Kein Wunder, dass sich viele Patienten die Frage stellen, ob ihre Gesundheitsversorgung vor Ort gesichert ist.

In diesen Zeiten kommt unserer Aufgabe, für Transparenz und Orientierung zu sorgen, eine besondere Bedeutung zu: Wir behalten die ambulante Versorgungslandschaft im Blick und zeigen mit smarten Services auf, was sich tut. Mit unserem Strukturverzeichnis können beispielsweise Gemeinden die Versorgungslücken von morgen schon frühzeitig erkennen und rechtzeitig gegensteuern. Und mit unserer Arzt-Auskunft und den zahlreichen von uns betriebenen Arztsuchen unserer Lizenzpartner helfen wir Patienten, schnell neue Ärzte zu finden, die das passende Behandlungsspektrum anbieten.

Den Wandel können wir nicht aufhalten – aber wir können durch einen klaren Blick auf die Fakten dabei helfen, ihn zu bewältigen.

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