
Ute Hartenstein ist seit 2010 Fachärztin für Innere Medizin und übernahm 2012 eine hausärztliche Praxis in Weinböhla. Da ihr die Versorgung von lebenszeitlimitiert erkrankten und sterbenden Patienten am Herzen liegt, absolvierte sie 2014 die Zusatzweiterbildung Palliativmedizin. Seit 2015 arbeitet sie zweimal wöchentlich in der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung. Auch ehrenamtlich setzt sie sich in diesem Bereich ein: Unter anderem durch die Durchführung von „Letzte-Hilfe-Kursen“. Dafür erhält sie von der Stiftung Gesundheit das Dr.-Pro-Bono-Siegel.
Das Thema „Sterben und Tod“ wird in unserer Gesellschaft verdrängt, da es emotional belastend und mit traurigen Gefühlen assoziiert ist und wir alle Angst davor haben. Es ist jedoch notwendig, sich mit diesem Thema zu befassen, damit Menschen am Lebensende nicht einsam und symptombelastet sterben, sondern gut versorgt und am besten am Ort ihrer eigenen Wahl.
Im Verlauf meiner palliativmedizinischen ärztlichen Tätigkeit wurden meinen Mitarbeitenden und mir viele Versorgungsprobleme bewusst und so gründeten wir Anfang 2019 unseren Verein „ZIP Weinböhla e.V.“ (Anm. d. Red.: „ZIP“ steht für „zentralisierte, integrative Palliativversorgung). Außerdem engagiere ich mich ehrenamtlich unter anderem auch bei der Deutschen Fachgesellschaft für Palliativmedizin und auf Bundeslandesebene beim Sächsischen Hospiz- und Palliativverband.
Unser Verein führt bereits regelmäßig „Letzte-Hilfe-Kurse“ durch und veranstaltet Bürgerforen zu Themen der Gesundheitsvorsorge. Dabei besprechen wir Patientenverfügungen, Vorsorgevollmachten und veranschaulichen Entscheidungen anhand von Patientenbeispielen.
Künftig wollen wir auch Professionelle in Fortbildungsveranstaltungen schulen hinsichtlich „guter Medizin am Lebensende“. Im Rahmen des demografischen Wandels ist die Behandlungskomplexität bei hochbetagten Patienten sehr groß geworden. Es ergeben sich nicht selten medizinethische Fragestellungen und Konflikte sowie Über- und Fehltherapie am Lebensende.
Im Rahmen meiner beruflichen Selbstständigkeit als Praxisinhaberin ist vor allem die Zeitknappheit ein Hemmnis für mehr wichtige ehrenamtliche Tätigkeiten. Das Thema der Palliativversorgung ist nicht ausschließlich ein ärztlich-medizinisch-pflegerisches, sondern ein gesellschaftliches. Hierfür würde ich mir mehr (berufs-)politische und gesellschaftliche Unterstützung wünschen. Palliativversorgung geht uns alle an.
Wir möchten unsere ehrenamtlichen Tätigkeiten am ortsansässigen Seniorenheim bündeln und weiterentwickeln, etwa durch dort angebotene Letzte-Hilfe-Kurse, Beratungen zur gesundheitlichen Vorsorgeplanung und Angehörigenberatung. Ziel ist es, die palliative Versorgung und Unterstützung der Bewohnerinnen und Bewohner zu verbessern und unsere Angebote dort auszubauen.
Überall. Jedoch bietet die ärztliche Hauptamtlichkeit tatsächlich nicht so viel zeitlichen Spielraum hierfür, egal ob man stationär oder ambulant in Vollzeit arbeitet.