Ad-hoc-Befragung: Vor allem Hebammen und Logopäden befürworten die Entscheidung
Hamburg, 19.01.2026 – Die Heilmittelerbringer in Deutschland stehen der Verschiebung der verpflichtenden Anbindung an die Telematikinfrastruktur (TI) überwiegend positiv gegenüber. Das zeigt die aktuelle Fokus-Befragung der Stiftung Gesundheit. Die TI-Pflicht war im 4. Quartal 2025 vom ursprünglich geplanten 1. Januar 2026 auf den 1. Oktober 2027 verschoben worden.
Insgesamt befürworten fast 47 Prozent der Heilmittelerbringer die Fristverlängerung, während rund 30 Prozent eine neutrale Haltung einnehmen. Etwa 23 Prozent äußern sich kritisch zur Verschiebung. Allerdings gibt es Unterschiede zwischen den Berufsgruppen: So stufen Hebammen und Logopäden die neue Frist deutlich positiver ein als beispielsweise Physiotherapeuten und Ergotherapeuten.
Als wichtigste Vorteile der Terminverschiebung nannten die Befragten die zusätzliche Vorbereitungszeit (34,0 Prozent) sowie die Möglichkeit, von den Erfahrungen anderer Praxisgruppen zu profitieren (27,8 Prozent). Gleichzeitig benannten die Heilberufler aber auch mögliche Nachteile: 31,5 Prozent befürchten eine wachsende Verunsicherung durch wiederholte Friständerungen, während 27,5 Prozent einen zusätzlichen organisatorischen Aufwand durch die doppelte Planung der Einführung sehen.
Hinsichtlich der eigenen Umsetzungspläne zeigt sich die Berufsgruppe gespalten: Rund 43 Prozent der Heilmittelerbringer haben bereits konkrete Schritte zur TI-Anbindung eingeleitet oder planen, dies trotz der verlängerten Frist weiterzuverfolgen. Ein nahezu gleich großer Anteil möchte vorerst keine weiteren Maßnahmen ergreifen. Knapp 14 Prozent sind noch unentschlossen.
Simeon Ruck,
Vorstand für Marketing, Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit beim Verband Heilmittelsoftware
„Die Verschiebung ändert nichts daran, dass der frühzeitige Anschluss an die TI fachlich sinnvoll, wirtschaftlich abgesichert und strategisch klug ist“, betont Simeon Ruck, Vorstand für Marketing, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit des Verbands Heilmittelsoftware. Der Verband empfiehlt therapeutischen Praxen ausdrücklich, den TI-Anschluss jetzt aktiv anzugehen: „Die beschlossene Verschiebung darf nicht als Bremse verstanden werden. Wer sich jetzt mit der TI auseinandersetzt, handelt vorausschauend und profitiert von einer vollständig refinanzierten Infrastruktur. Digitalisierung gelingt nicht durch Abwarten, sondern durch rechtzeitige Vorbereitung.“
Seit Anfang 2022 befragt die Stiftung Gesundheit einmal im Quartal die Leistungserbringer in der ambulanten Versorgung – je nach Thema ärztliche und/oder nichtärztliche – zu einem aktuellen Fokusthema. An der Befragung im 4. Quartal 2025 nahmen 447 Heilberufler aus den Berufsgruppen Heilpraktiker, Physiotherapeuten, Hebammen/Geburtshelfer, Logopäden und Ergotherapeuten teil.
„Wissen ist die beste Medizin“ – dafür steht die Stiftung Gesundheit. Seit fast 30 Jahren setzt sie sich für Orientierung, Transparenz und verständliche Informationen im Gesundheitswesen ein. Neben Analysen und Studien zur Versorgungslandschaft betreibt die Stiftung Gesundheit die Arzt-Auskunft, die auf dem Strukturverzeichnis der Versorgung basiert und Patienten bei der Suche nach passenden Ärzten und Heilberuflern unterstützt. Außerdem verleiht sie jährlich den Publizistik-Preis für herausragende Beiträge zu Gesundheitsthemen.
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