Presse-Information

IM FOKUS 1. QUARTAL 2026

Digitalisierung und KI in Arztpraxen: Mehrheit der Ärzte sieht konkreten Nutzen

Automatisierte Abrechnung und Kodierung stehen ganz oben auf der Wunschliste

Hamburg, 20. April 2026 – Digitale Anwendungen und KI-Tools sind im Praxisalltag vieler niedergelassener Ärzte angekommen: Sieben von zehn Ärzten sehen bereits heute einen konkreten Nutzen – sei es für mehr Effizienz, bessere Abläufe oder eine höhere Versorgungsqualität. Das zeigt die jüngste Ad-hoc-Befragung aus der Reihe „Im Fokus“, wie die Stiftung Gesundheit in ihrem Stiftungsbrief berichtet. Lediglich 29,2 Prozent der Befragten erkennen derzeit keinen relevanten Mehrwert digitaler Anwendungen.

Größter Mehrwert in den Bereichen Kommunikation, Dokumentation und Praxisverwaltung

Besonders deutlich wird der Nutzen dort, wo Digitalisierung Abläufe vereinfacht und Zusammenarbeit erleichtert. Am häufigsten nennen die Ärzte die Kommunikation und den Datenaustausch mit anderen Leistungserbringern (37,3 Prozent), gefolgt von Dokumentation und Praxisverwaltung (36,4 Prozent). Auch in der Kommunikation mit Patienten sehen viele Ärzte spürbare Verbesserungen (25,5 Prozent). Beim Terminmanagement und der Patientensteuerung berichtet mehr als ein Viertel von einer Verbesserung der Effizienz oder Servicequalität (28,8 Prozent). Selbst in der Diagnostik zeigen sich erste Effekte: Jeder zehnte Arzt nennt hier bereits Verbesserungen, etwa durch KI-gestützte Befunderhebung.

Potenzial für weitere Entlastung und Entbürokratisierung

Noch stärker als die bisherigen Effekte ist aus Sicht der Ärzte das Potenzial für weitere Entlastung, insbesondere beim Abbau bürokratischer Aufgaben. An erster Stelle steht der Wunsch nach einer automatisierten Abrechnung und Kodierung, etwa durch EBM-/GOÄ-Vorschläge oder Plausibilitätsprüfungen. 45,2 Prozent der Ärzte sehen hier konkreten Bedarf. Fast ebenso viele wünschen sich Unterstützung durch KI-gestützte Dokumentation und Spracherkennung, zum Beispiel bei Arztbriefen, Befundberichten oder der Verlaufsdokumentation (44,0 Prozent).

Sascha Raddatz,
Geschäftsführer des Bundesverbandes Gesundheits-IT (bvitg)

KI wird dort akzeptiert, wo sie Freiräume schafft

„Digitale Anwendungen sind in der Versorgung angekommen – aber ihr Potenzial bleibt vielerorts noch ungenutzt“, sagt Sascha Raddatz, Geschäftsführer des Bundesverbands Gesundheits-IT, in seinem Gastkommentar. Jetzt komme es darauf an, die Nutzung dieser Werkzeuge im Versorgungsalltag einfacher zu machen und Prozesse konsequent darauf auszurichten. „KI wird dort akzeptiert, wo sie Routineaufgaben übernimmt und Freiräume in Krankenhäusern und Arztpraxen schafft.“

Ärzte erwarten mehr Initiative von Software- und IT-Anbietern – aber auch von sich selbst

Impulse für mehr Digitalisierung erwarten die Ärzte vor allem von Software- und IT-Anbietern: Fast 60 Prozent wünschen sich von ihnen praxistauglichere Lösungen und mehr Einsatz für Interoperabilität. Auch Berufs- und Fachverbände, Fachgesellschaften und Krankenversicherungen sollten sich aus Sicht der Ärzte stärker einbringen.

Neben den Forderungen an andere Akteure zeigen sich die Ärzte aber auch selbstkritisch: Fast ein Viertel von ihnen gibt an, dass sich der eigene Berufsstand stärker einbringen sollte – etwa durch größere Offenheit gegenüber digitalen Lösungen sowie durch die Beteiligung an Pilotprojekten und Evaluationen.

Über die Ad-hoc-Befragungsreihe „Im Fokus“

Die Stiftung Gesundheit befragt regelmäßig die Leistungserbringer in der ambulanten Versorgung – je nach Thema ärztliche und/oder nichtärztliche – zu einem aktuellen Fokusthema. An der Befragung im 1. Quartal 2026 nahmen 957 Ärzte teil.

Über die Stiftung Gesundheit

„Wissen ist die beste Medizin“ – dafür steht die unabhängige Stiftung Gesundheit. Seit 30 Jahren setzt sie sich für Orientierung, Transparenz und verständliche Informationen im Gesundheitswesen ein.

Sie betreibt die Arzt-Auskunft, die auf dem Strukturverzeichnis der Versorgung basiert.
Mit 360°-Blick in die gesamte Versorgungslandschaft unterstützt sie Patienten bei der Suche nach passenden Ärzten, Kliniken, Therapeuten und Apotheken. Außerdem veröffentlicht sie regelmäßig Analysen und Studienzertifiziert sie Gesundheitsratgeber und -websites, und verleiht jährlich den Publizistik-Preis für herausragende journalistische Beiträge zu Gesundheitsthemen.

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