Die Stimmung der niedergelassenen Ärzte ist im 1. Quartal 2026 um 5,2 Punkte gesunken und liegt nun bei einem Stimmungswert von -26,1. Ausschlaggebend für die Gesamtentwicklung ist ein Stimmungsrückgang von mehr als 20 Punkten bei den Psychologischen Psychotherapeuten.
Die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage sank um 4,4 Punkte, die Erwartung für die kommenden Monate ging um 5,8 Punkte zurück.
Im 1. Quartal 2026 sank die Stimmung in drei der vier beobachteten ärztlichen Fachgruppen.
Den größten Rückgang verzeichneten die Psychologischen Psychotherapeuten: Ihre Stimmung brach um 20,3 Punkte ein und liegt nun auf dem tiefsten Stand seit 2017.
Ebenfalls deutlich pessimistischer zeigten sich die Hausärzte: Ihr Stimmungswert sank um 7,9 Punkte und liegt nun bei -30,4. Im Vergleich der Fachgruppen liegen sie damit wieder auf dem letzten Platz.
Nur leichte Einbußen gab es bei der Stimmung der Zahnärzte: Mit einem Rückgang um 1,4 Punkte verzeichnen sie einen Stimmungswert von -27,5 und damit ein ähnliches Niveau wie in den Vorquartalen.
Positiv entwickelte sich lediglich die Stimmung der Fachärzte: Nach einem Plus von 4,3 Punkten erreichen sie derzeit einen Wert von -25,8 und damit den zweiten Rang unter den betrachteten Gruppen.
Nachdem im Vorquartal erstmals die Digitalisierung die Liste der größten Störfaktoren anführte, liegt sie in diesem Quartal mit 63,0 Prozent auf dem zweiten Platz. Am häufigsten nannten die Ärzte – wie schon so oft – die Entscheidungen, Regelungen und Vorgaben von Regierung bzw. Selbstverwaltung vorn: Mehr als zwei Drittel beklagten einen negativen Einfluss auf ihre Arbeit (68,6 Prozent).
Mit deutlichem Abstand folgten als weitere Störfaktoren die übrige Praxis-Administration (47,9 Prozent), Auswirkungen aktueller Ereignisse (44,0 Prozent) sowie die eigene Arbeitszeit (43,1 Prozent).
Im aktuellen Stimmungsbarometer ist die Zuversicht der Psychologischen Psychotherapeuten um mehr als 20 Punkte eingebrochen. Das ist kein atmosphärisches Rauschen, sondern ein Warnsignal. Gerade weil diese Fachgruppe im Vergleich noch relativ gut dasteht, ist der Absturz so aufschlussreich: Er speist sich nicht aus dem üblichen Systemfrust, sondern aus einer konkreten politischen Entscheidung, die als Geringschätzung verstanden wird. Auslöser ist die Entscheidung des Erweiterten Bewertungsausschusses, die Vergütung psychotherapeutischer Gesprächsleistungen kurzfristig zum 1. April 2026 zu senken.
Gesundheitspolitik ist kein geräuschloser Prozess rationaler Feinsteuerung, sondern ein permanentes Aushandeln unter Zeit-, Kosten- und Machtdruck. Umso wichtiger ist, Entscheidungen an ihrer Wirkung zu messen. Und die ist hier unerquicklich: Nicht Versorgung wird gestärkt, sondern Frustration vertieft.
Zum einen ist Psychotherapie kein Bereich, in dem sich Leistungen beliebig verdichten, beschleunigen oder technisch wegrationalisieren lassen. Die Zahl der Menschen mit behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankungen ist hoch und steigt weiter, aber es gibt kaum Skaleneffekte: Therapeutische Sitzungen lassen sich nicht beschleunigen, Zusatzleistungen sind kaum möglich, mehr als fünf bis sechs Termine täglich sind realistisch kaum zu leisten.
Hinzu kommt, dass Psychotherapeuten deutlich weniger verdienen als viele andere akademische Heil- und Beratungsberufe. Geld ist zwar nicht alles, aber im Gesundheitswesen immer auch ein Ausdruck von Wertschätzung. Und wo eine Berufsgruppe sich dauerhaft zurückgesetzt fühlt, sinken Zufriedenheit, Bindung und Attraktivität. Genau das kann sich ein System mit ohnehin hoher psychischer Krankheitslast nicht leisten.
Zumal der Effekt auf die Kassenfinanzen marginal ist: Ambulante Psychotherapie verursacht nur 1,5 Prozent der Gesamtkosten, das Einsparpotenzial liegt bei rund 0,05 Prozent. Für diesen Minimalbetrag wird Motivation beschädigt und der gesellschaftliche Bedarf ignoriert. Das ist weder klug noch vorausschauend. Es ginge deutlich besser.
Erhebung: Repräsentative Erhebung mithilfe eines Online-Fragebogens
Erhebungszeitraum: 3.-15. März 2026
Sample: Für jede Berufsgruppe wurde eine repräsentative geschichtete Zufallsstichprobe angeschrieben. Für die aktuelle Befragung erhielten insgesamt 10.000 niedergelassene Hausärzte, Fachärzte, Zahnärzte und Psychologische Psychotherapeuten aus dem Strukturverzeichnis der Versorgung eine Einladung zur Befragung. Zusätzlich wurden 2.972 Ärzte angeschrieben, die regelmäßig an der Befragung teilnehmen.
Rücklauf: 1.006 valide Fragebögen (Rücklaufquote 7,8 Prozent). Die Ergebnisse sind repräsentativ mit einem Konfidenzniveau von 99% (Konfidenzintervall < ± 5%).
Das Stimmungsbarometer gibt differenziert Auskunft darüber, wie die niedergelassenen Ärzte in Deutschland ihre aktuelle wirtschaftliche Lage einschätzen und welche Entwicklung sie in den kommenden sechs Monaten erwarten. Diese Erhebung führt die Stiftung Gesundheit seit rund 20 Jahren durch. Zusätzlich fragen wir auch nach den Gründen für die Stimmungsentwicklung.
Die Stimmung der Ärzte wird analog zum Geschäftsklima für die gewerbliche Wirtschaft des ifo Institutes (Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V.) erhoben: Aus den Antworten zur Einschätzung der aktuellen Lage und zur Erwartung werden zunächst Salden für Lage und Erwartung gebildet. Die einzelnen Gruppen werden dabei entsprechend ihres Anteils an der Grundgesamtheit gewichtet, um ein repräsentatives Stimmungsbild zu erhalten. Der Wert für die Stimmung der Ärzte entspricht dem Mittelwert der Salden für die aktuelle Lage und die Erwartung. Mehr Details finden Sie auf unserer Seite Methodik und Berechnung.
Parallel zum Stimmungsbarometer der Ärzte erhebt die Stiftung Gesundheit seit Anfang 2022 auch die wirtschaftliche Stimmung der Heilberufler.