Hamburg, 25.11.2025 – Die Botschaft aus den Praxen und Apotheken ist unmissverständlich: Die Heilberufler erwarten von Bundesgesundheitsministerin Warken spürbare Verbesserungen im Versorgungsalltag – und sie sagen sehr genau, wo der Schuh drückt. Das zeigt die aktuelle Fokus-Befragung der Stiftung Gesundheit unter ambulant tätigen Heilberufen und Apothekern, in der die Leistungserbringer ihre Prioritäten und Wünsche an die seit Mai 2025 amtierende Ministerin formuliert haben.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass die zentralen Schwerpunktthemen je nach Berufsgruppe unterschiedlich gelagert sind: Für Heilberufler stehen bessere Aus- und Weiterbildungsbedingungen klar im Vordergrund. Apotheker richten den Blick vor allem auf die Sicherstellung der Arzneimittelversorgung und den Umgang mit Lieferengpässen. Quer durch alle Gruppen zieht sich der Bedarf an Personal und der Wunsch nach einer besseren Steuerung der Patientenströme.
Ein besonders deutliches Signal ist die Forderung nach einem dauerhaften Beratungsgremium für das Bundesgesundheitsministerium, das mit Vertretern aus der direkten Patientenversorgung besetzt ist: Zwei Drittel der Heilberufler und mehr als 60 Prozent der Apotheker sprechen sich dafür aus.
Und sie sind damit nicht allein: In der parallelen Befragung niedergelassener Ärzte sprach sich auch dort mehr als die Hälfte für ein solches Gremium aus. „Das ist eine sehr klare Botschaft“, resümiert Forschungsleiter Prof. Dr. med. Dr. rer. pol. Konrad Obermann: „Die Fachleute an der Basis fordern, dass ihre Erfahrungen aus dem Versorgungsalltag systematisch in die gesundheitspolitischen Entscheidungen einfließen, damit sich die Weichenstellungen auf Bundesebene enger an der Realität in den Praxen und Apotheken orientieren.“
In den offen formulierten Antworten zeichnen die Studienteilnehmer ein klares Bild dessen, was sich aus ihrer Sicht ändern muss: Immer wieder wird der Abbau bürokratischer Hürden genannt, verbunden mit der Forderung, die Digitalisierung so zu gestalten, dass sie tatsächlich entlastet statt zusätzliche Dokumentationspflichten zu schaffen. Die Befragten wünschen sich zudem mehr Kassensitze, insbesondere in ländlichen Regionen, sowie einen unkomplizierteren und schnelleren Zugang der Patienten zu Heilmittelleistungen.
Zugleich fordern sie eine Vergütung, die Kostensteigerungen realistisch abbildet und den wirtschaftlichen Druck mindert. Die aktuelle Honorierung sei nicht mehr zeitgemäß und spiegele weder die Anforderungen an die Qualifikation noch die Verantwortung in der Versorgung angemessen wider. Auch verbesserte Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen seien nötig, um Nachwuchs gewinnen und die Versorgung langfristig sichern zu können.
Für die Apotheken rückt zusätzlich das Thema Honorierung in den Mittelpunkt. Gefordert werden unter anderem eine regelmäßige, idealerweise jährliche Überprüfung des Fixzuschlags, Anpassungen der Arzneimittelpreisverordnung sowie eine deutliche Entlastung von Verwaltungs- und Kontrollaufgaben. Die Apotheker betonen, dass eine stabile wirtschaftliche Basis eine zentrale Voraussetzung dafür ist, die Arzneimittelversorgung auch unter schwierigen Rahmenbedingungen zuverlässig aufrechterhalten zu können.
Prof. Dr. med. Dr. rer. pol. Konrad Obermann,
Forschungsleiter der Stiftung Gesundheit
In der Gesamtschau zeigt die Befragung, dass die Heilberufe den Handlungsdruck im Gesundheitswesen als hoch empfinden und klare Erwartungen an die politische Führung formulieren. „Die Ergebnisse liefern konkrete Ansatzpunkte für die Gesundheits- und Versorgungspolitik – von der Entlastung im Alltag über strukturelle Reformen bis hin zu mehr Mitsprache der Leistungserbringer“, fasst Obermann zusammen:
„Für das Bundesgesundheitsministerium bieten sie damit einen Kompass, um Maßnahmen eng an den Bedarfen derjenigen auszurichten, die Tag für Tag die Versorgung der Patienten sicherstellen.“
Seit Anfang 2022 befragt die Stiftung Gesundheit einmal im Quartal die Leistungserbringer in der ambulanten Versorgung zu einem aktuellen Fokusthema. An der Befragung im 3. Quartal 2025 nahmen 662 Heilberufler und Apotheker teil.
„Wissen ist die beste Medizin“ – dafür steht die Stiftung Gesundheit. Seit fast 30 Jahren setzt sie sich für Orientierung, Transparenz und verständliche Informationen im Gesundheitswesen ein. Neben Analysen und Studien zur Versorgungslandschaft betreibt die Stiftung Gesundheit die Arzt-Auskunft, die auf dem Strukturverzeichnis der Versorgung basiert und Patienten bei der Suche nach passenden Ärzten und Heilberuflern unterstützt. Außerdem verleiht sie jährlich den Publizistik-Preis für herausragende Beiträge zu Gesundheitsthemen.
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