
Dr. med. Steffen Wagner, gynäkologischer Onkologe und Vorsitzender der Saarländischen Krebsgesellschaft setzt sich sowohl in seinem Beruf als auch in seinem Ehrenamt für Menschen mit Krebserkrankungen ein. Ihm liegt die menschliche Begleitung von Betroffenen und ihren Angehörigen am Herzen, insbesondere die Hilfe für Kinder krebserkrankter Eltern. Für diesen Einsatz wird er mit dem Dr. Pro Bono-Siegel der Stiftung Gesundheit ausgezeichnet.
Eine Krebsdiagnose ist für die Betroffenen oft ein tiefer Einschnitt. Von einem Moment auf den anderen geraten Sicherheiten ins Wanken, Zukunftspläne brechen weg, Angst und Hilflosigkeit treten in den Vordergrund. In meiner täglichen Arbeit als gynäkologischer Onkologe begleite ich Patientinnen mit Brustkrebs und gynäkologischen Tumorerkrankungen häufig über viele Jahre. Ich erlebe, wie sehr Menschen in dieser Situation nach Halt, Orientierung und jemandem suchen, der sie nicht allein lässt. Dieses Erleben ist der Kern meines Engagements.
Eine sehr persönliche. Als behandelnder Arzt bin ich nicht nur für Diagnostik und Therapie zuständig, sondern auch für Gespräche, in denen Tränen fließen, Ängste ausgesprochen werden und manchmal Sprachlosigkeit herrscht. Es geht um Fragen nach der Zukunft, um Sorgen um die Familie und um das Aushalten von Unsicherheit. Diese Gespräche gehören für mich untrennbar zur Onkologie und haben mein Verständnis geprägt, dass gute Krebsmedizin immer auch menschliche Nähe bedeutet.
Weil sie Menschen in einer existenziellen Krise auffängt. Psychoonkologische Betreuung gibt Raum für Angst, Verzweiflung und Überforderung, ohne zu bewerten. Sie hilft, Gefühle einzuordnen, neue Stabilität zu finden und den oft langen Behandlungsweg besser zu bewältigen. Trotzdem wird ihre Bedeutung noch zu häufig unterschätzt. Mir ist es ein großes Anliegen, dass diese Form der Unterstützung sichtbar wird und ihren festen Platz in der Krebsversorgung erhält.
Wir begleiten Menschen nicht nur medizinisch, sondern auch in ihrem Alltag. Neben der psychoonkologischen Betreuung bieten wir psychosoziale und sozialrechtliche Beratung, Informations- und Aufklärungsangebote, Gruppenangebote für Betroffene sowie Unterstützung für Angehörige an. Unser Anspruch ist es, da zu sein, wenn Fragen, Sorgen oder Überforderung entstehen, und Wege aufzuzeigen, wo zuvor nur Unsicherheit war.
Projekt Regenbogen richtet sich an Kinder krebserkrankter Eltern. Wenn ein Elternteil erkrankt, verändert sich das gesamte Familiensystem. Kinder spüren Angst, erleben Rückzug oder Traurigkeit, können diese Gefühle aber oft nicht benennen. Projekt Regenbogen schafft einen geschützten Raum, in dem Kinder verstanden werden, Fragen stellen dürfen und Unterstützung erfahren, die ihnen Sicherheit gibt.
Weil Kinder oft leise leiden. Sie wollen stark sein, niemanden zusätzlich belasten, und bleiben dabei häufig mit ihren Sorgen allein. Wenn wir sie früh begleiten, können wir verhindern, dass Angst und Unsicherheit sie langfristig prägen. Für mich ist Projekt Regenbogen ein Ausdruck von Verantwortung, Mitgefühl und Fürsorge gegenüber den Jüngsten in unserer Gesellschaft.
Das Siegel ist für mich eine besondere Wertschätzung des ehrenamtlichen Engagements vieler Menschen, die sich täglich für krebserkrankte Patientinnen und Patienten einsetzen. Gleichzeitig ist es ein Zeichen dafür, dass Menschlichkeit, Zuhören und Begleitung in der Medizin gesehen und anerkannt werden.
Ich wünsche mir eine Krebsversorgung, die den Menschen in seiner ganzen Verletzlichkeit wahrnimmt. Medizinische Exzellenz und menschliche Zuwendung dürfen kein Gegensatz sein. Wenn es gelingt, beides selbstverständlich zu verbinden, gewinnen nicht nur die Betroffenen, sondern unsere Gesellschaft insgesamt.