Die Stimmung der niedergelassenen Ärzte ist im 4. Quartal 2025 um 4,2 Punkte gestiegen und liegt nun bei einem Stimmungswert von -20,9.

Die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage stieg um 6,9 Punkte, die Erwartung für die kommenden Monate hingegen ging um 1,9 Punkte zurück.

Entwicklung der Stimmung in den ärztlichen Fachgruppen

Im 4. Quartal 2025 stieg die Stimmung in drei der vier beobachteten ärztlichen Fachgruppen an.

Die größte Zunahme verzeichneten die Hausärzte: Mit einem zweistelligen Plus von 10,9 Punkten erholte sich ihr Stimmungswert deutlich. Dadurch konnten die Hausärzte im Vergleich mit den anderen ärztlichen Gruppen die rote Laterne wieder abgeben und liegen nun auf Platz 2.

Auch die Psychologischen Psychotherapeuten zeigen sich optimistischer: Mit einem Plus von 4,9 Punkten stieg ihr Stimmungswert auf 5,9 an. Damit bleibt diese Fachgruppe weiterhin als einzige im positiven Bereich.

Die Stimmung der Zahnärzte ist im Vergleich zum Vorquartal fast unverändert geblieben: Mit einem Plus von 0,2 Punkten liegen sie auf einem Stimmungswert von -26,1.

Die einzige Fachgruppe, deren Stimmung im 4. Quartal zurückging, sind die Fachärzte: Mit einem leichten Minus von 2,0 Punkten sank ihr Stimmungswert auf -30,2. Damit liegen sie derzeit auf dem letzten Platz der betrachteten Gruppen.

Digitalisierung ist neuer Spitzenreiter bei den Negativ-Faktoren

Bei den Negativ-Faktoren gibt es einen neuen Spitzenreiter: 69,8 Prozent der niedergelassenen Ärzte sehen derzeit die Digitalisierung als wesentlichen Störfaktor für ihre Arbeit.

Dicht dahinter landeten Entscheidungen und Vorgaben von Politik und Selbstverwaltung: Hier gaben 68,6 Prozent an, dass diese sich negativ auf ihre Arbeit auswirken.

Auf dem dritten Rang nannten die Ärzte den Teil der Praxis-Administration, der nicht im Zusammenhang mit Digitalisierung steht: Gut die Hälfte von ihnen sieht hier negative Einflüsse auf ihre Arbeit.

Stimmung, Lage und Erwartung im Zeitverlauf

Wirtschaftliche Lage und Erwartung in den Fachgruppen

Vergleich mit dem ifo-Geschäftsklimaindex

Im 4. Quartal 2025 hat sich der Stimmungsindex der Ärzte positiver entwickelt als der ifo-Geschäftsklimaindex (ifo -0,1 Indexpunkte, Ärzte +2,1 Indexpunkte). Damit liegt der Index der Ärzte nun wieder über dem ifo-Index.

Vergleich des Stimmungsindex der Ärzte mit dem ifo-Geschäftsklimaindex (Stand Dezember 2025)

Prof. Dr. med. Dr. rer. pol. Konrad Obermann,
Forschungsleiter der Stiftung Gesundheit.

Kommentar

Digitalisierung: Per aspera ad astra?

Schon die alten Römer wussten: Wer große Ziele erreichen will, muss auf dem Weg dahin einiges an Anstrengung und Schwierigkeiten in Kauf nehmen. Das trifft auch auf die Digitalisierung im Gesundheitswesen zu: Es ist schon lange keine Frage mehr, ob unser Gesundheitssystem digitaler werden muss, sondern wie sie sich sicher sowie patienten- und arztfreundlich implementieren lässt.

Leider verläuft die Umsetzung aktuell alles andere als reibungslos: Digitalisierung ist gerade zum neuen Spitzenreiter der Negativ-Faktoren im Stimmungsbarometer der Stiftung Gesundheit avanciert. Sie kostet Ärzte offenbar viel Kraft und Nerven. Dies ist umso bedeutender, da insgesamt die Stimmung der niedergelassenen Ärzte im 4. Quartal 2025 deutlich gestiegen ist.

Vielleicht würde es sich lohnen, einen Blick über den Tellerrand zu werfen: Tag für Tag zeigen die Smartphone-Industrie und die Anbieter von Apps, wie sich digitale Lösungen technisch reibungsarm in unser Leben und Arbeiten integrieren lassen. Natürlich geht es im Gesundheitswesen um besonders sensible Daten, und es müssen medizintechnische Besonderheiten berücksichtigt werden, aber das sollte keine Pauschal-Ausrede für langsame und unzureichende Prozesse sein.

Tatsächlich zeigen DiGA sowie fortschrittliche Praxen und Kliniken bereits, welche Chancen die systematische, funktionsgetriebene und konsequente Umsetzung digitaler Tools und Anwendungen eröffnen kann. Hier auf Best-Practice-Beispiele zu schauen und die Erkenntnisse zu nutzen, um die Prozesse zu optimieren, wäre auch ein Schub für mehr Akzeptanz und Umsetzungsdynamik.

Den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen kann man aktuell nur sagen: Aller Anfang ist schwer, aber Digitalisierung kann und wird auch Vorteile bringen, wenn alles eingespielt ist und die Systeme funktionieren. Politik und Selbstverwaltung könnten hierbei noch deutlich mehr unterstützen als bisher geschehen.

Methodik

Erhebung: Repräsentative Erhebung mithilfe eines Online-Fragebogens

Erhebungszeitraum: 3.-10. Dezember 2025

Sample: Für jede Berufsgruppe wurde eine repräsentative geschichtete Zufallsstichprobe angeschrieben. Für die aktuelle Befragung erhielten insgesamt 10.000 niedergelassene Hausärzte, Fachärzte, Zahnärzte und Psychologische Psychotherapeuten aus dem Strukturverzeichnis der Versorgung eine Einladung zur Befragung. Zusätzlich wurden 2.876 Ärzte angeschrieben, die regelmäßig an der Befragung teilnehmen.

Rücklauf: 685 valide Fragebögen (Rücklaufquote 5,3 Prozent). Die Ergebnisse sind repräsentativ mit einem Konfidenzniveau von 99% (Konfidenzintervall < ± 5%).

Über das Stimmungsbarometer

Das Stimmungsbarometer gibt differenziert Auskunft darüber, wie die niedergelassenen Ärzte in Deutschland ihre aktuelle wirtschaftliche Lage einschätzen und welche Entwicklung sie in den kommenden sechs Monaten erwarten. Diese Erhebung führt die Stiftung Gesundheit seit rund 20 Jahren durch. Zusätzlich fragen wir auch nach den Gründen für die Stimmungsentwicklung.

Die Stimmung der Ärzte wird analog zum Geschäftsklima für die gewerbliche Wirtschaft des ifo Institutes (Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V.) erhoben: Aus den Antworten zur Einschätzung der aktuellen Lage und zur Erwartung werden zunächst Salden für Lage und Erwartung gebildet. Die einzelnen Gruppen werden dabei entsprechend ihres Anteils an der Grundgesamtheit gewichtet, um ein repräsentatives Stimmungsbild zu erhalten. Der Wert für die Stimmung der Ärzte entspricht dem Mittelwert der Salden für die aktuelle Lage und die Erwartung. Mehr Details finden Sie auf unserer Seite Methodik und Berechnung.

Parallel zum Stimmungsbarometer der Ärzte erhebt die Stiftung Gesundheit seit Anfang 2022 auch die wirtschaftliche Stimmung der Heilberufler.