Platz 2
Publizistik-Preis 2025
„Hirschhausen und die Abnehmspritze“
von Kristin Siebert
Das Erste (ARD) – 08. April 2024
Darum geht es in dem Fernsehbeitrag
Viele die sie bräuchten, bekommen sie nicht. Viele die sie nicht brauchen, nehmen sie. Aber wie wirkt die so genannte „Abnehmspritze“ wirklich? Und werden mit ihr endlich all unsere Probleme rund um das Thema Fettleibigkeit gelöst? Das klärt Kristin Siebert gemeinsam mit ihrem Protagonisten in der ARD/WDR-Dokumentation „Hirschhausen und die Abnehmspritze“.
Im Beitrag lässt sie Hirschhausen dorthin gehen, wo Kameras selten hinkommen: zum Beispiel in eine Therapiegruppe für Essgestörte und den Backstage-Bereich der Komikerin Nicole Jäger. Er begleitet eine Patientin, die mit der Spritze abnimmt und er legt sich selbst ins MRT. Wie reagiert sein eigener Körper auf eine Woche voller zusätzlicher Süßigkeiten und Junk-Food? „Bereits eine Woche mit zu viel Zucker, Fett und Salz hat mein Belohnungssystem im Hirn aus der Bahn geworfen. Mein Blutzucker spielte total verrückt!“ Klar wird: Die Behandlung mit der Abnehmspritze ist ein Hoffnungsschimmer im Kampf gegen eine Adipositas-Pandemie, aber mindestens genauso wichtig wäre eine erfolgreiche Prävention.
Das sagt die Expertenjury
„Besonders gefallen hat mir die Nahbarkeit, die Hirschhausen ausstrahlt.“
Friederike Oertel, Journalistin und Redakteurin bei ZEIT am Wochenende
Das sagt die Expertenjury
„Das Thema wurde sehr einfühlsam und vielseitig beleuchtet.“
Anja Reumschüssel, Autorin und Reporterin für Print und Multimedia
Das sagt die Expertenjury
„Der Film erzählt sehr leicht, für ein nicht extra am Thema interessiertes Publikum trotzdem gut anzuschauen. Er thematisiert ein wichtiges Thema unserer Gesellschaft und eine aktuelle Diskussion. Kritisch ist zu betrachten, ob die Darstellung der Abnehmspritze nicht etwas zu positiv ist, da sie ja keinesfalls als alleinige Lösung funktionieren kann. Trotzdem kommen in dem Film sehr starke beeindruckende Interviewpartner zu Wort, er überzeugt mit einer hochwertigen optischen Umsetzung und liefert spannende Fakten und Aha-Momente.“
Katharina Singer, TV-Redakteurin & Filmemacherin bei SWR und ARD
Kristin Siebert, Jahrgang 1980, aufgewachsen in Nienburg an der Saale. Studium der Fächer Medienwissenschaften, Technik der Medien und Psychologie in Braunschweig und Barcelona. Magister Artium mit Auszeichnung. Von 2006 bis 2013 Redakteurin und Autorin für Cinecentrum, Hamburg. Seit 2014 freie Autorin und Regisseurin für ARD, ZDF, WDR, NDR, SWR, MRD, RBB, SKY.
„Dicke sind doch selbst schuld!“ Dieses Vorurteil begegnet uns überall und wird schon Kleinkindern indirekt durch verächtliche Blicke vermittelt. Mir war es wichtig aufzuklären und zu zeigen: die Wissenschaft ist längst weiter. Adipositas ist keine Charakterschwäche, sondern beruht auf einer Fehlregulation des Gehirns. Unser Film macht sichtbar, wie schon wenige Tage mit hochkalorischer Ernährung genügen, um das Belohnungssystem aus dem Gleichgewicht zu bringen. Hass und Häme treiben Betroffene in die Isolation und führen so weit, dass man chronisch Kranken noch nicht einmal ein neues, wirksames Medikament, die Abnehmspritze, gönnt. Dem setzen wir Fakten, Verständnis für den eigenen Körper, entwaffnende Ehrlichkeit und – dank Nicole Jäger und Eckart von Hirschhausen – auch Humor und Leichtigkeit entgegen. Dass unsere Arbeit durch den Publizistik-Preis nun diese besondere Wertschätzung erfährt, ist eine wunderbare Bestätigung und freut mich außerordentlich.“
„Der Preis ist eine große Ehre – und immer ein Gemeinschaftswerk. Danke an Kristin Siebert und Bilderfest für die tiefe Recherche und die preiswürdigen filmischen Ideen. Danke an den WDR und die Wissenschaftsredaktion unter der Leitung von Daniele Jörg. Und danke an die Komikerin Nicole Jäger, die mir die Augen geöffnet hat, wie oft Patientinnen und Patienten mit Übergewicht diskriminiert und allein gelassen werden. Adipositas ist kein „lifestyle“-Thema, sondern eine chronische Erkrankung, gegen die wir gesellschaftlich, politisch und medizinisch vorgehen müssen. Mich hat der Film selbst auch verändert, seit ich gesehen habe, wie bereits eine Woche Junkfood meinem Körper schadet. Und das mag ich auch an der Reihe der Hirschhausen-Reportagen: Ich darf selbst Dinge ausprobieren, dazulernen, dorthin gehen, wo es weh tut und damit zu Debatten und Veränderungen zu mehr körperlicher und seelischer Gesundheit beitragen.“
Eckhart von Hirschhausen