Workshop zum Projekt SUSTAIN in Barcelona

Seit April 2015 ist die Stiftung Gesundheit Fördergemeinschaft Projektpartner des europäischen Versorgungsforschungsvorhabens „SUSTAIN“ (Sustainable Tailored Integrated Care for Older People in Europe). Mit Mitteln aus dem Horizon2020 Forschungs- und Innovationsprogramm der Europäischen Kommission wird das Konsortium in den nächsten vier Jahren untersuchen, welche Modelle für die individuell angepasste, integrierte Versorgung von Menschen über 65 besonders gut geeignet und langfristig finanzierbar sind.

Die Teilnehmer des Treffens posieren für ein Gruppenfoto.

Teilnehmer des SUSTAIN-Workshops in Barcelona. © Simone de Bruin

Barcelona, November 2015. Am Sitz des katalanischen Instituts für Qualität und Evaluation im Gesundheitswesen AQUaS findet das zweite Arbeitstreffen des EU-Projekts SUSTAIN statt. Drei Tage lang beraten die Kollegen und Kolleginnen aus sieben Ländern über Methoden, Ergebnisse aus den ersten Basiserhebungen an den Projektstandorten und das weitere Vorgehen.

Vielfalt als Reiz und Schwierigkeit zugleich
Zwar wurden die Projekte überall nach den gleichen Kriterien ausgewählt, jedoch sind sie so verschieden wie die Länder und Regionen, die an SUSTAIN beteiligt sind: Estland, England, Deutschland, Niederlande, Norwegen, Österreich und Katalonien. Die Vielfalt ist Reiz und Schwierigkeit zugleich. Wo ansetzen? Was sind die Gemeinsamkeiten? Wo gibt es Erfolgsrezepte, die anderswo ebenfalls angewendet werden könnten?

Was die Vorhaben eint ist der Bevölkerungsbezug, ein regional verankertes Konzept und ein engagierter Träger, der an kontinuierlicher Weiterentwicklung und Versorgungsverbesserung aktiv arbeitet. Manche der SUSTAIN-Projektstandorte sind im ländlichen Raum angesiedelt, andere in Innenstädten, wieder andere in Industriegebieten, Speckgürteln oder Schlafstädten. Eben dort, wo Menschen zuhause sind, wenn sie älter werden. Die Versorgungsthemen reichen von horizontaler Integration in Spanien, wo gesundheitliche und soziale Versorgung für ältere Patienten besser aufeinander abgestimmt (“integriert”) werden, über Primary Care und Rehabilitation in Norwegen bis hin zu Palliativversorgung in Österreich.

Zieldefinitionen des Projekts
Schnell wird klar: Überall geht es um die Koordinierung von Akteuren und Versorgungsangeboten, um Steuerungsprozesse und Organisationskultur, um Change Management und Leadership. Die Hindernisse sind vielerorts die notorische Trennung von ambulant und stationär, aber auch das schwierige Schnittstellenmanagement zwischen Medizin und Pflege. Und überall besteht akuter Handlungsbedarf mit Blick auf Demografie und Multimorbidität – bei chronischem Ressourcenmangel.

Logo des SUSTAIN-Projekts

SUSTAIN ist mittelfristig angelegt. in der vergleichsweise langen Laufzeit von 2015 bis 2019 liegt eine Chance dieses Projekts als Forschungs- und Beratungsvorhaben.

In Barcelona ist das Konsortium damit beschäftigt, nach den Momentaufnahmen der Basiserhebung die weitere Vorgehensweise abzustimmen sowie die eigene Rolle als
Konsortiumpartner zu reflektieren und zu schärfen.

Gruppenkonstellation
Unsere Gruppe setzt sich zusammen aus Wissenschaftlern, Moderatoren und Beratern. In der Kooperation mit den Projekten jonglieren wir mit allen drei Rollen: als Versorgungsforscher führen wir Befragungen durch; als Moderatoren unterstützen wir an jedem Standort die Themenfindung und Verständigung auf ein Verbesserungsprojekt, das in den kommenden Jahren im Mittelpunkt der Projekttätigkeit stehen soll. Last but not least bieten wir wissenschaftlich fundierte Beratung bei der Umsetzung der Verbesserungsvorhaben an – ein Service, um die Akteure vor Ort und insbesondere die Trägerorganisationen während des gesamten Projekts zu unterstützen. Es ist übrigens gerade dieses Angebot, das durch die Mischung aus Versorgungsforschung, Organisationsentwicklung und europäischem Wissenstransfer die Beteiligung an SUSTAIN für Partner in den Versorgungsmodellen besonders reizvoll macht.

Nicht alle praktischen Herausforderungen konnten wir in Barcelona klären. Noch offen ist, inwiefern die Projekte bilateral voneinander lernen können, beispielsweise durch Studienreisen und Partnerschaften. Lohnenswert wäre es ganz sicher.

UPDATE: Informationen zum Projekt gibt es ab sofort online auf der offiziellen Website von SUSTAIN.

von Sophia Schlette 10. Dezember 2015