Zertifizierung von Gesundheitsmedien: Warum sich Vertrauen für Verlage rechnet

Porträt von York Bieger

Setzt als Verlagsleiter auf qualitativ hochwertige Gesundheitsinformationen: York Bieger. © Heike Günther

Klar, die Zertifizierung von gesundheitsbezogenen Medien ist für Patienten da – für sie hat sie die Stiftung Gesundheit vor 20 Jahren entwickelt und seitdem beständig weitergedacht. Dennoch: Nicht nur Patienten profitieren von verlässlichen Gesundheitsinformationen, sondern auch die Verlage, die diese anbieten. York Bieger, Geschäftsführer des Psychiatrie Verlags, arbeitet daher schon seit 2009 mit der Stiftung Gesundheit zusammen. Er verlegt sowohl psychiatrische Lehr- und Fachbücher als auch Ratgeber und Kinderbücher zu Themen zur seelischen Gesundheit, letztere unter dem Label „BALANCE buch und medien Verlag“. Warum er seit sieben Jahren immer wieder Bücher zertifizieren lässt, hat uns Bieger netterweise mal am Telefon erzählt:

 

Wie sind Sie auf die Zertifizierung der Stiftung aufmerksam geworden?

Durch eigene Recherche. Wir haben vor rund sieben Jahren unser erstes Buch durch die Stiftung zertifizieren lassen, einen Pharmaka-Ratgeber. Damals haben wir gezielt nach einer seriösen Zertifizierung für gesundheitsbezogene Ratgeber gesucht, schlicht und ergreifend aus Marketing-Gründen. Es war gut, dass wir das damals gemacht haben. Denn wegen dieses positiven Erstkontaktes sind wir später auf die Idee gekommen, auch eine ganze Reihe von Kinderbüchern zertifizieren zu lassen. Da hatten wir durch die Zertifizierung den größten Überraschungseffekt. Aber auch Ratgeber zu verschiedensten Themen waren über die Jahre dabei.

Sie haben gerade von einer „Überraschung“ gesprochen. Ich hoffe, es war eine gute?

In der Tat. Die Auswirkungen der Zertifizierung waren im Erscheinungsjahr der Bücher wirklich frappierend. Da hatten wir zeitweise 20 Prozent Umsatzsteigerung im Segment der Kinderbücher. Das konnte man sowohl an den Einzeltiteln als auch am Gesamtsegment sehen. Wir haben ja gleich zehn Bücher zertifizieren lassen – und die Auswirkungen waren wirklich sehr eindeutig. Wir haben nämlich ein spezielles Zielpublikum, da können wir schon genau einschätzen, wie sich bestimmte Maßnahmen auswirken. Und in dem Jahr, als die Zertifizierung kam und vor allem auch die begleitende Pressearbeit durch uns und die Stiftung Gesundheit gelaufen ist, haben wir bei unserem Umsatz wie gesagt einen deutlichen Sprung von 20 Prozent verzeichnet.

Die Bücher, die wir von Ihnen erhalten haben, waren für uns und unsere Gutachter etwas Besonderes. Was sind das genau für Kinderbücher?

Die Kinderbücher richten sich an jüngere Kinder zwischen vier und acht Jahren und sollen ihnen helfen, mit psychischen Erkrankungen in ihrer Umgebung umzugehen. Es geht also nicht um die eigene Krankheit, sondern um Hilfe für Kinder, die von psychischen Belastungen anderer Personen in ihrer Familie betroffen sind: zum Beispiel durch Depression eines Elternteils, Borderline, ADHS oder ein gestörtes Essverhalten bei Geschwistern.

Neben den Kinderbüchern haben wir auch Ratgeber zertifizieren lassen. Beispielsweise zum Umgang mit Psychopharmaka oder Hilfen für Angehörige psychisch Erkrankter Menschen. Durch den Erfolg bei den Kinderbüchern werden wir zukünftig auch Titel zu weiteren Themen wie ADHS, Psychosen oder bipolaren Störungen zertifizieren lassen.

Treten wir doch mal einen Schritt zurück und blicken auf die derzeitige Medienlandschaft. Heute ist es selbstverständlich, dass sich Patienten insbesondere zu Gesundheitsthemen im Internet informieren. Wie sehen Sie das als Verleger – Fluch oder Segen?

Das ist natürlich schon ein Problem. Es war uns aber von Anfang an bewusst, weshalb wir uns auf qualifizierte, fundierte Ratgeber spezialisiert haben. Das heißt, dass unsere Ratgeber nicht so leicht abgelöst werden können, denn jeder, der sich detaillierter informieren will, braucht – gedruckte oder digitale – Bücher. Das Internet ist für die meisten Menschen etwas für schnelle, kurze Recherchen: Diejenigen, die nur Erstinformationen suchen, sind für den Buchmarkt verloren. Das betrifft andere Verlage sicherlich mehr als uns, aber wir merken das natürlich auch. Aus Patientensicht ist das natürlich praktisch und sogar gut, wenn es um Vernetzung und Selbsthilfe geht. Hier ist das Internet unschlagbar. Das Problem liegt eher darin, dass manche Nutzer unkritisch übernehmen, was unkontrolliert eingestellt wird. Jeder weiß, wie lückenhaft, selektiv oder gar falsch manche Webseiten informieren. Wenn es um unsere Gesundheit geht, kann das lebensgefährlich werden. Von daher bin ich mir sicher, dass qualifizierte und geprüfte Informationen – in welchem Medium auch immer – niemals ausgedient haben werden. Sie zu finden und in die richtige, in eine gute, verstehbare und auch schöne Form zu bringen, ist die eigentliche Aufgabe von (Fach-)Verlagen. Und die guten unter ihnen erfüllen diese Aufgabe auch.

Weitere Informationen zur Print- und Webzertifizierung der Stiftung Gesundheit finden Sie hier.

von Jonas Rohde 8. Juli 2016