SUSTAIN – gut betreut älter werden

Seit April 2015 ist die Stiftung Gesundheit Fördergemeinschaft Projektpartner eines europäischen Versorgungsforschungsvorhabens – SUSTAIN.

Versorgung zuhause

Das Akronym steht für Sustainable Tailored Integrated Care for Older People in Europe. Der Name ist Programm: Mit Mitteln aus dem Horizon2020 Forschungs- und Innovationsprogramm der Europäischen Kommission wird das Konsortium in den nächsten vier Jahren untersuchen, welche Modelle für die individuell angepasste, integrierte Versorgung von Menschen über 65 besonders gut geeignet und langfristig finanzierbar sind – und ob bzw. unter welchen Bedingungen gute Modelle innerhalb Europas übertragbar sind. Im Blickpunkt stehen ältere Patienten mit mindestens zwei chronischen Erkrankungen und komplexen Bedürfnissen, die zuhause leben und weiterhin in ihrem häuslichen Umfeld betreut werden sollen.

Bildnachweis: Robert Kneschke - Fotolia.com

Bildnachweis: Robert Kneschke – Fotolia.com

“Learning by doing”

Neu an der Herangehensweise von SUSTAIN ist die Kombination von Konzepten (Chronic Care Model) mit wissenschaftlichen Methoden, konsequenter Orientierung am Bedarf, Einbeziehung aller Beteiligten und nicht zuletzt der Betonung auf horizontaler Integration über Schnittstellen, Sektoren und Zuständigkeiten hinweg. Ebenso innovativ ist die Verknüpfung aus Beratung, Begleitforschung und Umsetzung mit dem Ziel der Weiterentwicklung und kontinuierlichen Verbesserung vorhandener Versorgungsmodelle.

Die Federführung für SUSTAIN hat die Medizinische Fakultät der Freien Universität Amsterdam inne.

Projektpartner sind Universitäten, öffentliche Forschungsinstitute, Stiftungen und IT-Unternehmen aus Deutschland, England, Estland, den Niederlanden, Norwegen, Österreich und Spanien (Katalonien). Pro Land beteiligen sich je zwei innovative Modelle für integrierte Versorgung an dem lernenden Projekt. Unterstützung kommt auch von zwei europaweiten Wissensmanagement-Plattformen mit Sitz in Belgien und Irland.

Mit ihrer Beteiligung an SUSTAIN kann die Stiftung Gesundheit ihre Untersuchungen zu Barrierefreiheit in die Weiterentwicklung von Versorgung auf europäischer Ebene einbringen – ein Gebiet, auf dem sich ebenfalls die Zuständigkeiten verschiedener Ressorts überschneiden.

Von den Besten Lernen

Um von den Besten zu lernen, waren die Kriterien für Pilot Sites von vornherein anspruchsvoll: Auswählt wurden Versorgungsbeispiele mit einer Fokussierung auf die Versorgung von über 65-Jährigen mit dem Ziel, diese so lange wie möglich in ihrem häuslichen Umfeld zu versorgen, mit Ausrichtung auf die komplexen Bedürfnisse dieser Personen – also nicht auf eine einzelne Diagnose –, einem entsprechend multiprofessionellen Ansatz mit Ärzten, Pflegern, Sozialarbeitern, Ernährungsfachleuten, Apothekern etc., mit regionalem Bezug, mindestens zweijähriger Erfahrung mit integrierter Versorgung sowie der Bereitschaft, an einem solchen Vorhaben inklusive Patientenbeteiligung mitzuwirken. Um ein möglichst breites Spektrum von Versorgungsansätzen abzubilden, wurden in Deutschland zwei pilot sites ausgewählt, die hinsichtlich Träger, Kooperationsform und Geografie unterschiedlicher nicht sein könnten – zum einen die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg mit der Innovativen Gesundheitsversorgung in Brandenburg und zum anderen die Versorgungsforschungsabteilung der Barmer GEK, die mit Arztnetzen in westdeutschen Städten kooperiert.

Grafik

SUSTAIN’s Ansatz: Kontextbezogenes Wissensmanagement anhand des Evidence Integration Triangle, Glasgow et al.
Quelle: Am J Prev Med. available in PMC 2015 June 05

Der Zeitplan

Über die Sommermonate wird an der Methodik, den Befragungsinstrumenten sowie an einem Internet-Auftritt gefeilt, bevor ab Oktober die eigentliche Arbeit mit den Referenzprojekten beginnt. Über einen Zeitraum von achtzehn Monaten werden mithilfe von Patienten- und Angehörigen-Interviews und Stakeholder-Analysen Bedürfnisse und Verbesserungspotenziale erhoben und anhand der oben genannten Instrumente Verbesserungsoptionen erarbeitet. Der jeweilige Landesprojektpartner fungiert dabei quasi als Mittler zwischen den verschiedenen europäischen SUSTAIN-Standorten und als Coach für die pilot sites. Die Ergebnisse aus der Befragungs- und Beratungsphase werden systematisch evaluiert. Ziel ist es, daraus eine Art evidenzbasierte Anleitung für die Umsetzung maßgeschneiderter integrierter Versorgung älterer Patienten zu entwickeln, die sich kontextunabhängig an alle beteiligten Akteure in Versorgung, Management und Politik richtet.

Als Projektleiterin werde ich hier auf unserem Blog über den Fortgang des Projekts berichten.

UPDATE: Informationen zum Projekt gibt es ab sofort online auf der offiziellen Website von SUSTAIN.

von Sophia Schlette 15. Juli 2015