Projekte zur Barrierefreiheit


Paralympics-Siegerin Daniela Schulte über die Bedeutung der Barrierefreiheit (01:01 Min.)

Noch immer stoßen Menschen mit Behinderungen in Arztpraxen und Krankenhäusern häufig auf Hindernisse. Der gleichberechtigte Zugang zu medizinischer Versorgung bleibt ihnen damit verwehrt. Um die Situation für Menschen mit Behinderungen zu verbessern, arbeitet die Stiftung Gesundheit in mehreren Projekten eng mit der Stiftung Gesundheit Fördergemeinschaft und weiteren Projektpartnern zusammen.

Fördergemeinschaft engagiert sich besonders im Bereich Barrierefreiheit

Grundsätzlich unterliegen die Projekte der Barrierefreiheit der Verantwortung der Stiftung Gesundheit Fördergemeinschaft. Zu ihren satzungsgemäßen Aufgaben zählt, die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am täglichen Leben zu unterstützen und zu fördern. Dazu gehört auch gerade der gleichberechtigte Zugang zu barrierefreier medizinischer Versorgung.

Projekt Barrierefreie Praxis
Das Projekt „Barrierefreie Praxis“ bietet Patienten deutschlandweit Informationen zum Grad der Barrierefreiheit von Arztpraxen. Ziel ist es, Menschen mit Behinderungen so die Suche nach einem passenden Arzt zu erleichtern. Zu den Aspekten der Barrierefreiheit, die in der Arztsuche integriert sind, zählen Behindertenparkplätze und verstellbare Untersuchungsmöbel ebenso wie Gebärdendolmetscher und bauliche Hilfsmittel. Dazu zählen etwa taktile Leisten, die Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen die Orientierung erleichtern.

Nachdem 2010 alle niedergelassenen Ärzte, Zahnärzte und Psychologischen Psychotherapeuten angeschrieben, über das Thema informiert und zum Stand der Barrierefreiheit in ihrer Praxis befragt wurden, sind bislang etwa 68.000 Ärzte mit Praxen, die eine oder mehr Komponenten der Barrierefreiheit bieten, in der Arzt-Auskunft verzeichnet. Rund 152.000 Ärzte verfügen derzeit über keine entsprechenden Vorkehrungen bzw. haben keine Auskunft dazu erteilt. Die Befragung zeigt, dass auf diesem Gebiet noch viel Aufklärungsbedarf besteht. Darum gehört es auch zu den Zielen des Projekts „Barrierefreie Praxis“ Leistungserbringer in der ambulanten medizinischen Versorgung über das Thema Barrierefreiheit zu informieren und für die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen zu sensibilisieren.

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Projekt Praxis-Tool Barrierefreiheit
Das Projekt Praxis-Tool Barrierefreiheit fördert und unterstützt den gleichberechtigten Zugang von Menschen mit Behinderungen zur ambulanten medizinischen Versorgung. Dazu entwickelt die Stiftung Gesundheit gemeinsam mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und weiteren Partnern aus Wirtschaft und Politik eine web-basierte Informationsplattform, das Praxis-Tool Barrierefreiheit. Er soll Praxisinhaber dabei unterstützen, Barrierefreiheit bereits während der Planungsphase eines Neu- oder Umbaus zu integrieren. Das interaktive Tool stellt dazu Informationen zur Verfügung, die individuell auf die Anforderungen und Gegebenheiten der einzelnen Nutzer zugeschnitten sind. Ärzten erleichtert das Praxis-Tool Barrierefreiheit, ihre Praxis von Beginn an barrierefrei zu planen. Im Vergleich zu einem späteren Umbau können Praxisinhaber damit Kosten einsparen und ihre Praxis für eine größere Gruppe von Patienten zugänglich machen.

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Projekt namo
„Namo“ steht für „nahtlos mobil“ und darum geht es bei diesem Projekt: Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und weiteren Projektpartnern verfolgt die Stiftung Gesundheit ein Ziel: Älteren Menschen und Menschen mit Behinderungen soll ermöglicht werden, eine barrierefreie Reiseroute mit öffentlichen Verkehrsmitteln innerhalb Deutschlands zu planen. Zu den weiteren Zielen zählen auch medizinische Versorgungseinrichtungen. Hier liefert die Stiftung Gesundheit Informationen zur Barrierefreiheit von Arztpraxen. Damit ermöglicht dieses Fahrgastinformationssystem Patienten eine Praxis auszuwählen, die ihren individuellen Bedürfnissen entspricht.

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Forschung
Die Stiftung Gesundheit beschäftigt sich auch im Bereich Forschung mit dem Thema Barrierefreiheit. Mit regelmäßigen Erhebungen zum Stand der Barrierefreiheit in der ambulanten medizinischen Versorgung schafft sie eine empirische Basis, die es ermöglicht, Verbesserungsmaßnahmen zu planen und durchzuführen. Die Stiftung Gesundheit ermittelt hier mit einem differenzierten Kriterienkatalog den momentanen Stand der Barrierefreiheit in Arztpraxen.

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Barrierefreies Internet
Die Stiftung Gesundheit setzt sich auch für Barrierefreiheit im Internet ein – mit dem Gütesiegel „Geprüfte Homepage“. Interseiten, die damit zertifiziert sind, erfüllen auch wichtige Kriterien der Barrierefreiheit. Inzwischen umfasst der Prüfungskatalog für den Bereich „barrierefreies Web“ bereits 20 Punkte. Ein Punkt ist die Lesbarkeit für Screenreader, wie sie etwa blinde Menschen benutzen. Daher zertifiziert die Stiftung Gesundheit Internetseiten, die neben formalen und inhaltlichen Voraussetzungen auch Kriterien der Barrierefreiheit erfüllen.

Oft wird der Begriff „barrierefrei“ auf rollstuhlgerecht reduziert. Dabei ist Barrierefreiheit ein viel umfassenderes Konzept, das den ungehinderten Zugang zu Räumlichkeiten, aber auch zu Informationsangeboten für alle Menschen, mit und ohne Behinderung, beschreibt. Gerade im Internet, beim Zugang zu Websites und deren Nutzung, zeigen sich oft unvorhergesehene Hindernisse. Heben sich Schrift und Hintergrund zum Beispiel nicht deutlich voneinander ab, erschwert das Menschen mit einer Sehbehinderung das Lesen.

Laut der europäischen Statistikbehörde Eurostat nutzen 28 Millionen Deutsche das Internet als Informationsquelle zum Thema Gesundheit (Stand 2011). Darum sollte der ungehinderte Zugang zu dieser wichtigen Informationsquelle auch für Menschen mit Behinderungen möglich sein.

Um beispielsweise Menschen mit Lernschwierigkeiten den Zugang zur Arzt-Auskunft zu erleichtern, ist diese als vollständig barrierefreie Arztsuche auf www.einfach-teilhaben.de, einem Projekt des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, integriert.

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