Im Gespräch mit Christoph Dippe

Wie sind Sie zur Stiftung Gesundheit gekommen?

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Christoph Dippe ist seit August 2021 Vorstandsvorsitzender der Stiftung Gesundheit.

Wie in vielen guten Dingen: durch intensive Gespräche. Hier natürlich mit Peter Müller, dessen Begeisterung für die Sache mich angesteckt hat. Den Satzungszweck der Stiftung, mehr Transparenz im Gesundheitswesen zu schaffen, halte ich auch noch nach 25 Jahren für top aktuell. Gesundheit ist ein ausgesprochen wichtiges Gut und viele Erkrankte stehen noch heute vor vielen Fragen, die sie aufrichtig und un-ideologisch beantwortet bekommen sollten. Als Branchenneuling freue ich mich sehr darauf, zu lernen und meine Erfahrungen aus meinen bisherigen beruflichen Stationen für die Stiftung einsetzen zu können.

Und zugegeben, da ich selbst mit meiner Familie in Hamburg lebe und schon viele Jahre in anderen Städten und Ländern gearbeitet habe, ist es natürlich das i-Tüpfelchen, mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren und abends bei meiner Familie sein zu können.

Wie erklären Sie Ihren Kindern, wofür sich Ihr neuer Arbeitgeber einsetzt?

Ganz einfach: Für etwas, das jeden von uns betrifft. Jeder von uns kann krank werden und benötigt dann verständliche und verlässliche Informationen, um den richtigen Arzt und die richtige Behandlung zu finden und wieder gesund zu werden. Genau dafür setzt sich die Stiftung Gesundheit schon seit 25 Jahren ein: Neben den anderen Satzungszwecken auch mit dem Strukturverzeichnis der medizinischen Versorgung in Deutschland, das alle medizinischen Leistungserbringer aufführt, die aktiv in der Patientenversorgung tätig sind.

Ein großer Teil unserer Arbeit gilt der kontinuierlich hohen Informationsqualität. Die Services für die Patienten bieten in Zusammenarbeit mit uns viele Internetportale und Apps, vor allem aber auch unsere zahlreichen Lizenzpartner. Für Krankenversicherer gibt es die Arzt-Auskunft Professional zur Beratung ihrer Versicherten. Unsere Informationen erreichen auf diese Weise mehr als 90 Prozent aller Versicherten in Deutschland. Das sind viele, viele Menschen, denen wir mit unserer Arbeit helfen, gesund zu werden oder zu bleiben.

Was ist das Alleinstellungsmerkmal der Stiftung?

Zu aller erst die Qualität und die Detailtiefe unseres Strukturverzeichnisses der medizinischen Versorgung. Das erfordert eine beständige und gut koordinierte Arbeit unseres ganzen Teams.

Wesentlich ist dabei unsere Unabhängigkeit. Wir dienen als Stiftung unserem Satzungszweck und sind unabhängig von all den Ideologien und Interessen Dritter. Das bedeutet auch, dass wir gut und gern mit so vielen Kooperationspartnern evidenzbasiert und bundesweit zusammenarbeiten können.

Wo sehen Sie die größten Chancen der Digitalisierung im Gesundheitswesen?

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen schafft sinnvolle Ergänzungen zu den klassischen Strukturen: In der Corona-Krise haben beispielsweise mehr als 60 Prozent der Ärzte Videosprechstunden eingerichtet und wollen sie größtenteils auch nach der Pandemie weiter nutzen. Das hat gerade die Studie „Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit 2020“ gezeigt, die die Stiftung gemeinsam mit dem health innovation hub des Bundesministeriums für Gesundheit erstellt hat. So lassen sich beispielsweise Patienten leichter betreuen, die in großer räumlicher Entfernung leben oder nicht mobil sind.

Für Patienten hat die Digitalisierung vor allem den Vorteil, dass sie jederzeit von überall aus auf eine immense Fülle an Informationen zugreifen können: Wo finde ich den nächsten Zahnarzt, der sich auf Angstpatienten spezialisiert hat und Sprechzeiten am Abend anbietet? Bei welchem Augenarzt bekomme ich nächste Woche noch einen Termin? Was früher jeder für sich mühsam recherchieren musste, steht heute in vielen Fällen auf Knopfdruck zur Verfügung.

Was ist aktuell der treibende Faktor für die Entwicklung der Stiftung, und was bremst sie?

Wachsen lässt uns vor allem der steigende Bedarf an fundierten und strukturierten Informationen bei den bereits bestehenden Anbietern im Gesundheitswesen. Zusätzlich kommen viele neue Konzepte in den Gesundheitsmarkt und benötigen saubere und vollständige Informationen, um ihre Ziele zu erreichen, oder auch schon vorher, um zu beurteilen, wie sehr ihr Konzept in welcher Region von Deutschland benötigt wird.

Wir verwenden viel Kraft auf die Qualität unseres Strukturverzeichnisses, weit weniger Zeit bleibt uns, ständig über uns zu sprechen. Ich fürchte, dass es viele potentielle Kooperationspartner gibt, die uns noch nicht kennen.

Gibt es etwas, dass Sie sich wünschen oder suchen?

Na klar: Ich wünsche mir noch mehr spannende Kooperationspartner insbesondere im Bereich der Versorgungsforschung, denn wir können zu vielen Forschungsvorhaben vieles beitragen.

Und natürlich freuen wir uns immer über engagierte Menschen, die sich mit unseren Zielen identifizieren und uns unterstützen möchten – ob mit ihrem Know-how, mit ihrer Arbeitskraft oder finanziell über Spenden.

Wie würden Sie sich und Ihren Führungsstil beschreiben?

Zu allererst bin ich sehr teamorientiert. Mir ist es wichtig, dass wir gemeinsam verstehen, warum wir etwas machen und wie wir es machen. Dabei bin ich durchaus zahlenorientiert und schätze klare Kennziffern. Das tägliche Arbeiten verstehe ich als einen agilen Entwicklungsprozess, an dem alle Team-Mitglieder teilhaben. Die sich daraus ergebende Entwicklung der einzelnen Team-Mitglieder macht mir große Freude und mir fällt es nicht schwer, Verantwortung abzugeben, ohne das einzelne Team-Mitglied dann aber allein zu lassen. Ich coache sehr gerne. Das ist ein Grund, warum ich auch immer wieder als Berater gearbeitet habe. Ich glaube fest daran, dass eine gute Idee nur mit einem guten Team realisiert werden kann. Mir ist wichtig, dass es den Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, gut geht. Denn wer sich morgens mit einem guten Gefühl an den Schreibtisch setzt, der steckt mit dieser Motivation auch andere an. Und es macht einfach Spaß, mit einem motivierten und engagierten Team zu arbeiten und gemeinsam Herausforderungen zu meistern.

Und zum Schluss – ehrlich reflektiert – gibt es bei mir auch Momente, an denen ich nicht geduldig genug bin und dann treffe auch ich Entscheidungen, bei denen wir dann als Team gemeinsam durch müssen.

Wo sehen Sie die Stiftung in 25 Jahren?

25 Jahre ist ein weiter Blick nach vorn. In den nächsten fünf Jahren sehe ich uns unsere Aufgaben rund um das Strukturverzeichnis. Die Erweiterung der reinen Arzt-Auskunft zu einer Auskunft aller Gesundheitsberufe wird uns weiter beschäftigen und damit einhergehend eine Vielzahl von Nutzungen in diesem Kontext, die wir heute schon am Horizont sehen können. Allen gemein ist das Verständnis, dass Gesundheit eben nicht mehr nur allein die ärztliche Versorgung betrifft.

Darüber hinaus wünsche ich mir, dass wir immer mehr Zeit und Aufmerksamkeit auf die Forschung innerhalb der Stiftung Gesundheit legen können, sodass wir auch in 25 Jahren noch daran wirken können, mehr Transparenz im Gesundheitswesen zu fördern. Die Stiftung ist durch ihre Rechtsform ausdrücklich auf ewig angelegt und unser Satzungszweck ändert sich auch dann nicht, wenn ein neuer Vorstand – wie in diesem Falle ich – das Ruder übernimmt. Das ist unser Ansporn und macht uns zu einem verlässlichen Partner.

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