Wer entscheidet eigentlich, was meine Krankenkasse bezahlt?

Was schmerzt beim Zahnarzt mindestens genauso stark wie der Bohrer? Richtig – die Rechnung. Die Gesetzlichen Krankenkassen übernehmen nämlich nicht alle Behandlungen vollständig. Viele Patienten wissen nicht weshalb und fragen sich, warum ausgerechnet ihre Kosten nicht übernommen werden. Sie verurteilen ihre Krankenkasse. Vorschnell. Denn die Kassen entscheiden nicht alleine, welche Leistungen sie übernehmen.

Logo G-BA

Das unbekannte Gremium

Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen verwalten sich in einem Gremium selbst – im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). Die Vertreter diskutieren auf wissenschaftlicher Grundlage darüber, ob Behandlungen bezuschusst werden. Stimmt die Mehrheit dafür, hält der G-BA die Leistung im Katalog der Krankenkassen fest. Das Bundesministerium für Gesundheit gibt den gesetzlichen Rahmen für den G-BA vor und kontrolliert die Beschlüsse. Auch Patientenorganisationen sitzen im G-BA. Sie dürfen aber bei Beschlüssen nicht mit abstimmen.

Prof. Josef Hecken ist unparteiischer Vorsitzender seit 2012

Aufbau des G-BA

13 Mitglieder beraten im G-BA. Darunter drei Unparteiische, von denen einer den Vorsitz übernimmt. Seit 2012 ist das Professor Josef Hecken (CDU-Politiker). Außerdem im G-BA: Fünf Mitglieder der Gesetzlichen Krankenkassen, zwei aus der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), zwei aus der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und eines aus der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV). Die Vertreter tagen zwei Mal im Monat. Die Sitzungen finden in Berlin statt und sind öffentlich zugänglich.

Zulassen von Behandlungen und Medikamenten

Ob eine neuartige Behandlung oder ein neues Medikament zugelassen wird, bewertet der G-BA anhand von wissenschaftlichen Erkenntnissen. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) führt diese Untersuchungen im Auftrag des G-BA durch. Das IQWiG prüft, ob die neue Behandlung oder das neue Medikament besser wirkt oder weniger Nebenwirkungen hat als bereits Bestehende.

Fettabsaugung bei Lipödem

Aktuelles Beispiel: Die Krankenkassen übernehmen die Kosten der Liposuktion (Fettabsaugung) bei der Fettverteilungsstörung Lipödem zurzeit nicht. Dabei ist Lipödem sehr schmerzhaft: Das krankhaft veränderte Fettgewebe verschwindet weder durch Diät noch durch Sport. Es sammelt sich größtenteils an Armen und Beinen und ist sehr druckempfindlich. Meist sind Frauen betroffen. Die Behandlung durch eine spezielle Massage, Bewegungstherapie und Stützkleidung wird von den Krankenkassen bezahlt – muss allerdings permanent fortgeführt werden und lindert nur kurzzeitig die Symptome. Nur das Absaugen des betroffenen Gewebes könne die Schmerzen endgültig lindern. Dennoch zieht sich die Diskussion über die Aufnahme in den Leistungskatalog im G-BA bereits über mehrere Jahre hin. Die Wirksamkeit der Liposuktion bei Lipödem sei noch nicht ausreichend erforscht, hieß es von G-BA-Seite. Bis dahin müssen Frauen weiterhin die klassischen, evidenzbasierten Therapien nutzen oder sich auf eigene Kosten operieren lassen.

Wissen ist die beste Medizin

Dr. von Lukowicz erklärt im Blog der Arzt-Auskunft, was Lipödem ist und wie man es erkennt:
www.arzt-auskunft.de/gesundheit/lipoedem

Bilder:
https://www.g-ba.de/institution/presse/fotos/unparteiische/