Extreme Preissteigerungen bei 0190-Rufnummern

Schon beim Abheben mehr als 100 Mark Kosten möglich

Die neue Preisstruktur der 0190er-Rufnummern kann Anrufer teuer zu stehen kommen: Künftig können die Betreiber der Bezahl-Nummern selbst bestimmen, welche Beträge dem gutgläubigen Kunden mit der Telefonrechnung abgebucht werden.

Die Gesprächsgebühren für einen Anruf bei den neuen 0190er-Nummern setzen sich aus dem Preis pro Gesprächsminute sowie einem Einmalentgelt zusammen:.

Die Minutenpreise werden vom Anbieter willkürlich festgelegt. Eine Obergrenze – bislang 3,63 Mark pro Minute – gibt es nicht mehr: Jeder Anbieter darf selbst entscheiden, wieviel seine Kunden pro Gesprächsminute zahlen müssen.

Das Einmalentgelt kann bereits für den Verbindungsaufbau berechnet werden und ist in der Höhe ebenfalls keinen Beschränkungen unterworfen. Damit können für den Anrufer schon beim Abheben 100 Mark und mehr fällig werden.

„Die Kosten für einen Anruf auf einer 0190er-Nummer sind mit der neuen Preisstruktur unkalkulierbar geworden“, warnt der Justitiar der Stiftung Gesundheit, Dr. jur. Frank A. Stebner. „Verbraucherschützer, die ihre Aufgaben ernst nehmen, sind jetzt mehr denn je gefordert. Denn mehr als zuvor sind nun unseriösen Anbietern Tür und Tor geöffnet.“ Der Rechtsanwalt rät, bei Angeboten mit 0190-Telefonnummern sehr genau auf die Betreiber und deren Seriosität zu achten. „Die neuen Preise betreffen beileibe nicht nur Sex-Hotlines, sondern lassen sich beispielsweise auch bei medizinischen oder ’sozialen‘ Angeboten nutzen.“

Als praktischen Tipp empfiehlt Dr. Stebner, im Zweifel nur Servicenummern mit den Vorwahlen 0130 und 0800 anzuwählen: „Nur Rufnummern mit diesen Vorwahlen sind für die Anrufer absolut kostenfrei.“
Kiel, 29. Februar 2000

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