„Good Governance“ – Natürlich auch für Vereine, Stiftungsarbeit und NGO

Patienten als Zielgruppe

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Good Governance – die Maßgaben ordentliche Unternehmensführung gelten nicht nur als Maxime für die großen Konzerne. Die Arbeit von ordentlicher Buchführung, sorgfältiger Mittelverwendung, sorgsamer Mitarbeiterführung, langfristiger Planung und akkurater Publikation der Arbeit, sind eigentlich Selbstverständlichkeiten. Und sie gelten natürlich nicht nur für die großen Konzerne, sondern haargenau so für kleine und mittlere Unternehmen wie auch andere Körperschaften wie eben Stiftungen, Vereine und andere Non-Governmental Organizations (NGOs), auch wenn sie gemeinnützig tätig sind und auf der Basis des Social Entrepreneurship arbeiten, als Sozial-Unternehmen.

Doch auch Selbstverständlichkeiten darf man gern immer mal wieder bewusst vor Augen führen – sich selbst und Dritten gegenüber. Als Vorstandsvorsitzender der Stiftung Gesundheit ist die Stiftungsarbeit mein tägliches Brot. Bei der Arbeit in einer Stiftung geht es immer wieder auch darum, zu zeigen, was gute Stiftungsarbeit ist. Was bei uns passiert, veröffentlichen wir regelmäßig, etwa in unserem Tätigkeitsbericht. Und das ist gut so. Das Kuratorium der Stiftung Gesundheit hat sich jetzt auch formell per Gremienbeschluss zu den „Grundsätzen guter Stiftungspraxis“ verpflichtet. Selbstverständlich handelt die Stiftung Gesundheit schon seit der Gründung im Jahr 1996 konsequent nach diesen Grundsätzen.

Die Stiftung Gesundheit gehört zu den Mitgliedern des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. Der Bundesverband hat die Grundsätze guter Stiftungsarbeit entwickelt, um Stiftungen eine Orientierung für effiziente und uneigennützige Arbeit zu geben. In ihnen sind unter anderem das Transparenzgebot und die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, die Vermeidung von Interessenskonflikten, eine effiziente Stiftungsorganisation sowie die Rolle der Stiftungsverantwortlichen definiert. Gleichsam ein „how to do it“ für Stiftungen. Diese Grundsätze sind wichtig – sie sollten für jeden, der in einer Stiftung tätig ist oder sie verwaltet, selbstverständlich sein. Ein Grund mehr, sich auch öffentlich dazu zu verpflichten. Auch wenn es eigentlich ja selbstverständlich ist.

Sowohl praktisch als auch theoretisch setze ich mich mit der guten Stiftungspraxis auseinander. Als Dozent am US-amerikanischen Touro-College lehre ich MA-Studenten aus vielen Ländern das Management von Non-Profit-Organizations. Das gibt mir immer wieder die Möglichkeit, Stiftungsarbeit aus einem weiteren Blickwinkel zu betrachten – immer wieder auch aus kritischer Distanz, die Gelegenheit, die Abläufe innerhalb einer Non-Profit-Organization kritisch zu betrachten und zu hinterfragen. Setzen wir die Theorie der guten Stiftungsarbeit auch praktisch im Alltag um und wie genau? Nur eine der Fragen, denen wir auch im Seminar auf den Grund gehen – und natürlich tagtäglich in der operativen Arbeit.

Die Vorbereitungen der Seminare gingen mir übrigens ganz leicht von der Hand. Denn durch die jahrelange praktische Arbeit in der Stiftung, bin ich – ob ich will oder nicht – mit all den Facetten der Arbeit in einer NGO vertraut. Auch ein Indiz dafür, dass alle meine Kolleginnen und Kollegen hier im Hause von Anbeginn an professionell an die Arbeit herangegangen sind. Ach, übrigens, „professionell“ ist partout kein Gegensatz zur Gemeinnützigkeit, ganz im Gegenteil. Auch gemeinnützige Einrichtungen sollen bitteschön, effizient und strukturiert handeln, also professionell.

von Dr. Peter Müller 21. November 2014