Erfolg macht verdächtig

Vorurteile sind für mich als Stiftungsvorstand eigentlich gar kein Problem: Es sind ja immer wieder die selben. Gern wird man schon mal pauschal für naiv und/oder schluffig gehalten, weil bei Gemeinnützigkeit alle gleich an korkkrümelkautschukbasierte Gesundheits-Sandalen denken. Andere meinen, wir seien hochmütig, weil wir ja auf Säcken von Gold säßen. Und dann kommt in verlässlicher Frequenz die Vermutung, eine gemeinnützige Einrichtung müsse eh alles verschenken – übrigens in statistischer Häufung ausgerechnet seitens derer, die schon von Kapitalismus und Gesundheitswesen besonders gut behandelt wurden.

Social Entrepreneuership: Zwischen Sozialprojekten und Betriebswirtschaft

Effiziente Geschäftsführung und ökonomische Vernunft ist oft das Letzte, was so mancher von einer gemeinnützigen Stiftung erwartet. Ich denke, gerade gemeinnützigen Einrichtungen steht dies besonders gut an – damit jeder Euro, der aufgrund der Gemeinnützigkeit nicht versteuert wird, besonders effizient und wirksam und verantwortungsbewusst eingesetzt wird, und das immer im Sinne der Satzung, also der eigentlichen und einzigen Aufgabe. Arg wird es, wenn die dumpfen Vorurteile dann auch noch zu einer im Ergebnis feindlichen Attitüde werden. Doch doch, solch Schlichtheit gibt es. Denn wenn man trotz Gemeinnützigkeit auch noch erfolgreich arbeitet, wittern die Leute nur noch Betrug. Spiegel Online brachte es vor einiger Zeit in einem Beitrag über Soziale Unternehmer auf den Punkt: „Erfolg macht verdächtig“.

Worüber kaum jemand nachdenkt:

Nicht alle gemeinnützigen Einrichtungen können ihre Tätigkeiten aus einem millionenschweren Stiftungskapital oder hohen Spendeneinnahmen finanzieren. Oft muss aus der eigenen Arbeit eine Wertschöpfung erwachsen – Erträge müssen erwirtschaftet werden, die das Projekt am Laufen halten. Überschüsse werden reinvestiert, um leistungsfähiger zu werden. So werden die gemeinnützigen Satzungszwecke erfüllt – ob es sich um fair gehandelten Kaffee, Bildungseinrichtungen oder um Gesundheits-Informationen handelt. Trotz aller der sporadischen, aber unausrottbaren Vorurteile, gelegentlichem ökonomischem Unverstand, punktueller Egoismen: Wir werden weiterhin mit aller Kraft effektiv, also professionell, und verantwortlich unsere Arbeit tun. Auch um den Preis, dass dadurch für die Schlichten unter den Gemütern Verdruss entstehen mag. So halten wir es bei der Stiftung Gesundheit – auf die Gefahr hin, dass wir uns verdächtig machen. Und wer es uns gleich tun will, ist bei uns immer herzlich willkommen. Wir finden sicher einen Weg für eine produktive Zusammenarbeit.

Dr. Peter Müller

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Letzte Aktualisierung am 21.07.2018