Es gibt ein Leben nach der Therapie

Dass das Leben nach der Therapie weitergeht, ist doch selbstverständlich, warum also dieser Buchtitel?

Die Zeit nach der Therapie ist insofern eine Besondere, als man jetzt möglichst viel von dem, was dort erarbeitet worden ist, in den Alltag integrieren möchte. Unsere Umwelt hat ja unseren therapeutischen Prozess nicht detailliert mitbekommen. Wenn wir Veränderungen wünschen, stoßen wir häufig auf Widerstände.

Warum ist das so?

Die Menschen, mit denen wir leben, wünschen zwar unsere Veränderungen, damit wir zum Beispiel seltener krank werden oder nicht so anstrengend sind. Ehemann, Kinder, Eltern und Chefs erwarten, dass wir jetzt (endlich) funktionieren. Sie waren nicht darauf eingestellt, was das für sie bedeutet. Es kann nämlich sein, dass wir jetzt öfter Nein sagen oder uns bestimmte Dinge nicht mehr gefallen lassen. Da müssen wir sehr aufpassen, nicht in unsere alten Muster zu fallen, die uns – neben anderen Gründen – in die Situation gebracht haben, eine Therapie zu benötigen.

Porträt Angelika Rohwetter

Angelika Rohwetter

Und wie soll das gehen?

Das Buch beschreibt zwei Wege. der erste ist: Man muss viel Geduld mit sich selbst haben, sich nicht verurteilen, wenn es mit der Umsetzung aller klugen Erkenntnisse nicht sofort klappt. Wir arbeiten weiter an unserer Entwicklung. Die ist schließlich mit dem Ende der Therapie nicht abgeschlossen. Die Erkenntnisse und begonnenen Prozesse der Therapie müssen in die Psyche und in den Alltag integriert und weitergeführt werden. Nichts, was in der Therapie geschehen ist, geht verloren, es braucht manchmal ein bisschen Zeit, um zu wirken, also sich zu stabilisieren und auszudrücken. Natürlich hat die Therapie nicht alle Probleme gelöst. – und es wird neue geben. Wir werden sie jetzt leichter lösen können. Dazu behandelt das Buch die Themen Ressourcen und Resilienz.

Parallel dazu ist es wichtig, den anderen verständlich zu machen, dass eine Veränderung zwar zuerst unbequem ist, letztlich aber zu aller Vorteil. Ein Beispiel: Eltern haben oft hohe Ansprüche an ihre Erwachsenen Kinder, sie wollen regelmäßigen Kontakt, der von den Kindern ausgehen soll. Der berühmte Satz: „Du meldest dich ja nie“, fällt oft in dem Telefonat, das die Tochter gerade begonnen hat. Wenn wir in der Therapie die Beziehung zu den Eltern neu gestalten, können diese sicher sein, dass der Kontakt – wenn er auch weniger wird – ehrlicher ist. Beide Parteien können eine neue Freude daran finden.

Und was geschieht sonst noch nach der Therapie?

Das Buch beschäftigt sich auch mit Bereichen, die nichts mit Therapie zu tun haben. Wir können wieder freier, weniger belastet von unseren Probleme und Konflikten, über unseren Tellerrand sehen: Außer Arbeit und Familie gibt es noch viel mehr: Freunde, Meditation, neues Erleben, etwas tun, was wir immer schon tun wollten – und Dinge lassen, wenn sie uns doch nicht gefallen.
Außerdem gibt es auch ein untherapeutisches Kapitel mit dem Titel Blick in die Welt. Hier geht es darum sich (wieder) klarzumachen, dass auch andere Themen wichtig sind und in unserem Leben eine Rolle spielen (sollten) als die eigene Befindlichkeit. Wenn wir uns gut mit uns selbst fühlen, uns unserer Stärke bewusst sind, können wir auch gut für andere sein…

Von Angelika Rohwetter 23. Februar 2017

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Veröffentlicht in Aktuelles
Letzte Aktualisierung am 29.03.2017