Ängste und Sorgen am Ende des Lebens darf es nicht geben!

In einer Gesellschaft, in der es normal, ja fast schon selbstverständlich erscheint, ein langes Leben erleben zu dürfen, rücken die damit verbundenen Themen rund um das Alter und das Altern immer stärker in die öffentliche Wahrnehmung und Auseinandersetzung. Diese haben schon längst den engen Zirkel sozialpolitischer Diskussionen verlassen und auch Literatur, Theater und Film erreicht. Die Werke, die Alter und Altern aufgreifen, sind weltweit schon Legion. Sie erfinden das Alter neu und zeichnen ein ebenso neues Bild von diesem Lebensabschnitt. In einer Welt, in der immer mehr Menschen damit rechnen dürfen, acht, neun oder zehn Lebensjahrzehnte erreichen zu können, taugen die alten biografischen Meilensteine immer weniger, die einen Lebenslauf lediglich in Kindheit/Jugend, Erwachsensein/Berufstätigkeit und Alter zu gliedern versuchten.küssende Senioren - Pressefoto "Am Ende ein Fest"

Auseinandersetzung auch in Film, Kunst und Literatur

Die künstlerische Auseinandersetzung nähert sich dem Alter auf recht unterschiedliche Weise, mal in der Darstellung als Entdeckungsreise, bei der man auf ein scheinbar neues Eiland namens Alter stößt, mal mit Witz und Charme über gewonnene Jahre, neue Erfahrungen und unbeschwerten Erlebnissen, und manchmal auch mit für das Publikum erschreckender Realität und mit Klischees brechender Offenheit. Und spätestens seit Michael Hanekes beeindruckendem Film „Liebe“ konnte ein breites Publikum eine Ahnung davon gewinnen, in welche extremen seelischen Nöte Menschen angesichts einer unheilbaren Krankheit und belasteten Lebenssituation gelangen können.

Plakat zum Film "Am Ende ein Fest"Film wird die öffentliche Diskussion befeuern

Der Film „Am Ende ein Fest“ kommt am 24. September und damit gerade zur rechten Zeit in die deutschen Kinos. Im November dieses Jahres entscheidet der Deutsche Bundestag über eine gesetzliche Neuregelung der Beihilfe zur Selbsttötung und gleichzeitig wird über eine Verbesserung der palliativen und hospizlichen Versorgung gerungen. Der Film wird die öffentliche Diskussion um diese Themen befeuern, er wird einerseits auf Ablehnung stoßen, er wird aber auch deutlich vor Augen führen, wie wichtig es ist, dass wir uns in einer Gesellschaft des langen Lebens Gedanken um das Ende eines jeden von uns machen.

Eine aktuelle Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD hat gezeigt, dass viele Menschen Angst vor einem langen qualvollen Sterbeprozess haben und aus dieser Angst heraus Beihilfe zur Selbsttötung befürworten. Wie wollen und müssen wir darauf reagieren? Hoffentlich nicht mit einer „Tötungsmaschine“, auch wenn der im Film agierende Trupp der israelischen Senioren ihren Nächsten, Freunden und Bekannten aus Liebe und Zuneigung und angesichts furchtbaren Leidens beim Sterben helfen möchte. Angesichts fehlender und fachlich fragwürdiger Regelungen sind sie nach eigenem Ermessen gezwungen, sich selbst und ihren Lieben zu helfen. Soweit darf es in modernen Staaten und Gesellschaften nicht kommen.

Sorge für eine gute Begleitung am Ende des Lebens

„Am Ende ein Fest“ rüttelt dazu auf, dafür Sorge zu tragen, dass sich jeder am Ende seines Lebens gut versorgt weiß und eine palliative, hospizliche Begleitung durchgehend und flächendeckend aufgebaut und sichergestellt ist. Dass an Schmerz-Medikamenten und einfachsten Pflegehilfsmitteln bei der Versorgung sterbender Menschen in Krankenhäusern und Pflegeheimen gespart wird, so wie im Film dargestellt, darf uns nicht passieren. Ebenso wenig dürfen wir es zulassen, dass sich Menschen in großer existenzieller Not, angesichts des nahen Todes eines lieben Menschen, von Politik und Medizin alleingelassen fühlen. Dieser Film kann einen wichtigen Beitrag bei der aktuellen Diskussion und den anstehenden Entscheidungen leisten, auch wenn man die Entscheidungen der Protagonisten im Film nicht teilen möchte.

von Stefan Arend 24. September 2015