Stiftungsbrief 1. Quartal 1999 2. Jahrgang



Was darf´s sein im Internet?
Interview mit Justitiar Dr. Frank A. Stebner


Dr. jur. Frank A. Stebner
Justitiar der Stiftung Gesundheit


Der Auftritt im Internet wird interessant, wenn der Arzt oder Zahnarzt seine Therapieschwerpunkte nennen kann. Was darf er?

Dr. Stebner: Das Bundesverfassungsgericht hat bereits Mitte der 80er Jahre festgestellt, daß dem Arzt nur die standeswidrige Werbung untersagt ist. Wichtig in diesem Zusammenhang ist das Urteil des Landgerichts Kiel vom 10.11.1998. Es ist zu dem Ergebnis gekommen, daß die Ärzte sich auch mit Diagnose- und Therapieschwerpunkten im ASS präsentieren können.

Kann ein Arzt wegen der Teilnahme am ASS im Internet Scherereien bekommen?

Dr. Stebner: Ich rechne nicht damit. Das Standesrecht ist im Wandel; wir haben längst eine Standeswirklichkeit, wo sich nicht mehr die Frage stellt, „ob“ sondern „wie“ geworben wird.

Lohnt sich ein Internet-Auftritt für eine Praxis überhaupt wirtschaftlich?

Dr. Stebner: Ich meine, daß eine Präsenz im Internet sinnvoll ist. Dieses Medium nimmt auch innerhalb des Gesundheitswesens eine rasante Entwicklung. Ich sehe es als einen Baustein in einer gescheiten Praxismarketingkonzeption an: Die Ärzte sollten im Rahmen einer Unternehmensplanung eine Marketingstrategie entwickeln, in der der Internetauftritt ein sinnvoller Bestandteil ist.

Genügt es nicht, eine eigene Homepage einzurichten und ins Internet einzustellen?

Dr. Stebner: Nein, denn es kommt vor allem darauf an, dort präsent zu sein, wo - im Internet-Jargon gesprochen - „Traffic“ stattfindet. Die Telefon-Hotline des ASS hat im ersten Jahr rund 100.000 Patienten individuell informiert. Der Internet-Auftritt wird ähnlich erfolgreich sein. Und von dort läßt sich um so wirkungsvoller eine Verbindung zur eigenen Homepage schalten.

Warum ASS und nicht einer von den vielen kommerziellen Diensten?

Dr. Stebner: Der Erfolg hängt von der Berichterstattung der Medien ab. Als gemeinnützige Institution hat die Stiftung Gesundheit in der Vergangenheit eine erstaunliche Pressepräsenz gehabt. Dieser Status kommt auch dem Wesen des Arztberufes sehr nahe; möchte man doch keine Kommerzialisierung haben.

Apropos Newcomer und Nachahmer: Einige sind auch schon wieder verschwunden. Andere Angebote umfassen oft nur drei, vier Ärzte. Das hat keinen praktischen Nutzen für die Patienten. Dieser Nutzwert aber ist die Meßlatte für die Berichterstattung der Medien.



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